ÜBER DEN TOD
Im Rahmen einer Arbeit "Ich möchte mich mit Ihnen über den Tod unterhalten" von Brigitte Jorns an der HBK- Braunschweig (1999) wurden folgende Fragen gestellt:

Kannst Du eine eigene Definition des Begriffs "Tod" geben?
Gibt es für Dich eine bildliche Vorstellung vom Tod?
Wie stellst Du Dir den eigenen Tod vor?
Welche Auswirkung hat der Tod auf Dein Leben?

Ich habe mich mit diesen Fragen beschäftigt und folgendes dazu aufgeschrieben.



Die NICHT-Definierbarkeit des Todes ist für mich sein wesentlichstes Merkmal. 
Daher kommt seine Fähigkeit mich mit Angst, Schrecken, Staunen, Faszination und Wißbegier zu erfüllen. 

Ich kann mir den Tod bildlich ganz unterschiedlich vorstellen, je nach dem wie ich darauf bin, ob mich gerade sein Schrecken, sein Trost oder seine Faszination beschäftigt. Am liebsten stelle ich mir ihn wie ein liebender Vater (oder Mutter) vor, der mich herzlich willkommen heißen wird, wenn ich wieder nach Hause komme. 

Weil ich mich sehr mit meinem Körper identifiziere, stelle ich mir bei meinem eigenen Tod meinen leblosen Körper vor. Daß aber mein Körper nicht alles ist, weiß ich. Denn wenn ich meine Fuß- oder Fingernägel schneide, liegen nachher kleine Stück von mir auf dem Boden. Ich weine nicht einmal darüber. Ich tue sie einfach in den Bioeimer, damit sie in den Kreislauf der Natur wieder zurückkommen. 

In Phantasie stelle ich mir vor, wie mir ein Finger abschnitten wird. Ich schaue ihn mir an, dieser tote Teil, der zu mir gehörte, von dem ich mich aber jetzt getrennt habe. Ein wichtiger Teil, aber kein Wesentlicher.  Weiter in Phantasie werden weitere Teile abgetrennt: meine Hände, Füße, Arme, Beine, bis nur Kopf und Rumpf von mir übrig bleiben. Da liegen sie vor mir auf dem Tisch, wichtige Teile von mir, aber auch keine wesentlichen. Mit meinem Rumpf und vor allem mit meinem Kopf identifiziere ich mich viel mehr, aber das sind auch nur Teile von mir. Wo bleibt das Wesentliche wenn auch sie tot sind? Wo bin ICH dann? Deswegen ist der Tod für mich ein schreckliches und ein faszinierendes Phänomen zugleich. 

Der Tod machte  mir früher noch mehr Angst als heute. Mich quälten Vorstellungen vom tiefen Wasser oder von Haifischen. Dann merkte ich, daß ich oft die GLEICHE Angst auch vor dem Leben hatte. Meine Angst war also vor der WIRKLICHKEIT. Diese Einsicht hat mich sehr getröstet und läßt mich seither vermuten und hoffen, daß der Tod doch nicht so schlimm ist wie gefürchtet. Vielleicht ganz im Gegenteil. 

Der Tod gilt nur als schrecklich, ja fast als "unnatürlich", er wird verteufelt und verdrängt. Das ist falsch. Wie die Geburt, ist  der Tod ein wesentlicher und ganz natürlicher Teil des Lebens. Es hilft sehr, wenn ich versuche, ihn auch so zu akzeptieren. 

RAH (1949 -       )